23.12.2011

von B°-MS / Michael Horling

Stadt erwarb Sammlung

Motive quer durch's Beet: Die Stadt Schweinfurt kaufte dem Sammler Reinhold Jordan 205 Medaillen und Plaketten ab.

von links: Sammler Reinhold Jordan, Kulturamtsleiter Dr. Erich Schneider, Diplom-Kaufmann Klaus Stapf (Geschäftsführer der Kulturstiftung) und Oberbürgermeister Sebastian Remelé

Um die 12.000 Euro ist es der Stadt Schweinfurt wert, mit finanzieller Unterstützung ihrer Kulturstiftung insgesamt 205 Medaillen und Plaketten anzukaufen, die der Sammler und einstige Gymnasiallehrer Reinhold Jordan zur Verfügung stellte. Sie werden nach Weihnachten im Museum Altes Gymnasium in einer eigens angeschafften Münzvistrine zu sehen sein. Zur Vorstellung der Neuerwerbung hatte Kulturamtsleiter Dr. Erich Schneider einige der Medaillen und Plaketten dabei.


"Sie alle haben einen Bezug zu Schweinfurt und mit Persönlichkeiten, Vereinen oder der Industriegeschichte zu tun", weiß Oberbürgermeister Sebastian Remelé, der von Jordan, Geschichtslehrer im Ruhestand, ein bisschen Nachhilfe bekam. Münzen nämlich, wie der OB vermutete, kaufte die Stadt nicht an. Nur eben Medaillen, hauptsächlich aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, die es überwiegend als Auszeichnung für Ruhm und Ehre gab, die aber kein Zahlungsmittel waren. Münzen sammelt die Stadt freilich auch. Bei den Medaillen wusste sie, dass Jordan, ein Münzkundler, der der Numismatischen Gesellschaft Schweinfurt e.V. angehört, 2004 ein Buch über Schweinfurter Medaillen veröffentlicht hatte. Auf den Anlass, sich von der Sammlung einmal zu trennen, wartete die Stadt. Nun war er gekommen.

371 Medaillen listete Reinhold Jordan bis zur Fertigstellung des Buches 2004 auf. Zwei vergaß er zu erwähnen, wie er heute weiß. Dr. Erich Schneider glich ab, welche Lücken er für die städtischen Sammlungen mit einem Ankauf schließen könne. "Wir streben nicht danach, jede Medaille in Bronze, Silber und Gold zu bekommen", sagt der Kulturamtsleiter. Auch deshalb, um nicht noch mehr Geld in die Hand nehmen zu müssen. Bis zum Stichtag im Jahr 1900 soll die Schweinfurter Sammlung nun aber nahezu komplett sein. Eine Goldmedaille freilich fehlt noch, die aber alleine um die 2000 Euro an Wert hat. "Jetzt warten wir aber erst mal Weihnachten und den Jahreswechsel ab...", bremst Dr. Schneider ein wenig. Freilich seien die 12.000 Euro an Kaufpreis "ein Freundschaftspreis. Reinhold Jordan hätte mehr erzielen können, wenn er jede einzelne Medaille über Ebay versteigert hätte", glaubt Dr. Schneider. Ob er selbst darauf nun Lust hat? "Ab 20 Millionen Euro bin ich verführbar...", spaßte der Kulturamtschef.


Weiße Handschuhe brachte er in Sebastian Remelés Dienstzimmer mit, wo auch Klaus Stapf, Geschäftsführer der Kulturstiftung, und mit Vorstandsmitglied Martin Baldauf der städtische Finanzreferent die Medaillenkunde-Stunde genießen durften. Ein repräsentatives Erinnerungsstück ist so eine Medaille. "Quer durchs Beet" gehen die Motive, so Dr. Schneider. Die Rückert-Medaille ist dabei groß und schwer, "da muss der OB schon Krafttraining gemacht haben, wenn er sie vergibt", weiß Schneider. Der mit 5.000,00 Euro dotierte Friedrich-Rückert-Preis wird alle drei Jahre verliehen.

Ein Bundestreffen der Wanderfahrer war Anlass für die Erstellung einer der neueren Medaillen, eine Veteranen-Rallye im Jahre 1960 gab einen weiteren. Erinnert wird an den 200. Geburtstag des 1788 geborenen Rückert, an den in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tätigen Bürgermeister Carl Ritter oder an den Besitzerwechsel von Schloss Mainberg 1902. Währungsumstellungen in Mitteleuropa, das Zeughaus, Geheimrat Dr. Ernst Sachs, "125 Jahre Turngemeinde Schweinfurt" oder ein Blick auf den Schweinfurter Fischerrain sind einige der Motive aus dem 20. Jahrhundert. 1993 erst erstellte der Bildhauer Peter Vollert aus Bronze eine Plakette, die den damals 1200 Jahre alten Wasserweg Main darstellt. "Er hat sie vor den Augen unseres Numismatischen Vereins gegossen", berichtet Reinhold Jordan.


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