08.12.2011

von B°-MS / Michael Horling

"Fürsten & Industrielle"

Das neue Buch über Schloss Mainberg erinnert auch an Zeiten als Tapetenfabrik und Produktionsstätte für Haarwasser.

Beste Laune herrschte bei der Buchpräsentation auf Schloss Mainberg.

Für die Beteiligten, 15 Autoren sowie Fotograf und Gestalter, gab´s als Anerkennung Bocksbeutel. Gefüllt natürlich mit Wein, der rund um Schloss Mainberg angebaut wird. Nichts anderes wäre passend gewesen bei der Buchpräsentation im Rittersaal von Schloss Mainberg. Historiker Dr. Thomas Horling und Dr. Uwe Müller, der Schweinfurter Stadtarchivar und Vorsitzende des historischen Vereins, gaben zusammen "Fürsten & Industrielle" heraus. Ein 560 Seiten starkes Buch mit 300 großteils farbigen Abbildungen, das sich mit dem Schloss Mainberg in acht Jahrhunderten befasst.


In 16 Kapiteln hat Dr. Horling das bemerkenswerte Werk gegliedert, um eine facettenreiche Geschichte zu erzählen. Angefangen mit der genau nicht mehr nachvollziehbaren Zeit, wie das Schloss zunächst als Burg wohl als Konkurrenz zur Peterstirn bei Schweinfurt entstanden sein könnte. Erst ab 1394 war vom Schloss die Rede, ehe im 15. Jahrhundert die Gräfin Margarete von Henneberg für die erste Glanzzeit und für eine fürstliche Residenz sorgte. 1542 ging gesamt Mainberg an den Würzburger Fürstbischof über. Mit Beginn des 18. Jahrhunderts beschleunigte sich laut Dr. Horling der Bedeutungsverlust des Schlosses, dessen dazugehöriges Amtshaus direkt an der viel befahrenen Bundesstraße ein eigenes Kapitel bekam.

Erst unter dem Fabrikanten Wilhelm Sattler kam das Schloss zu neuer Blüte. Drei Kapitel sind dem Mann gewidmet, der in Schonungen eine Farbenfabrik besaß und der auf Mainberg fortan im Rittersaal Tapeten mit Motiven bedrucken ließ - und damit bis zu 100 Leute beschäftigte. Sattler war auch berühmt für seine Kunstsammlung und für seine Bibliothek. Er ließ das verfallene Schloss restaurieren. Es folgte eine eher kurze Ära unter dem Theologen Johannes Müller, der das Schloss als Erholungsheim eröffnete. Es wurde wieder umgebaut, aus dem riesigen Rittersaal enstanden mehrere kleine Zimmer. Als Müller auf Schloss Elmau umzog, kaufte 1915 die Sachs-Familie Schloss Mainberg. Der Großindustrielle Ernst Sachs nutzte es als Wohnsitz, stattete es neu aus. Eng war damals die Verbindung vom Schloss zur Stadt Schweinfurt.

Sohn Willy Sachs wohnte dann ab 1925 zusammen mit Gattin Elinor von Opel, Tochter von Wilhelm von Opel und Enkelin des Opel-Gründers Adam Opel, hoch über dem Main. Beide waren damals eines der reichsten Ehepaare Deutschlands. Mit dem zweiten Weltkrieg aber endete die dritte und vorerst letzte Glanzzeit des Schlosses, das nach dem Krieg zehn Jahre lang leer stand. 1955 kaufte es der Haarforscher Wilhelm Heger und versprach von Mainberg aus den Glatzköpfigen mit seinen im Schloss abgefüllten Haarwässerchen einen neuen Haarwuchs. Dieser Traum aber war schnell ausgeträumt, es kam nach Regressforderungen der Käufer zu einem Prozess vor Gericht.

1962 war Schloss Mainberg im Besitz der Stadt Schweinfurt. 1982 kaufte es der Schweinfurter Geschäftsmann Gerhard Eichhorn und sanierte mit viel Geld und Liebe die stark renovierungsbedürftigen Räume. Heute bieten Renate Ludwig und eine Grundbesitz GmbH die Räume für Tagungen, Events und zum Übernachten an. Eine von Konsul Sachs 1923 angeschaffte Orgel im Rittersaal, im zweiten Weltkrieg wohl letztmals gespielt, möchte Ludwig zu gerne für künftige Orgelkonzerte restaurieren lassen. Allerdings kostet das geschätzte 110.000 Euro, wozu Spenden notwendig sind. Vielleicht greift ja die Stiftung der ehemaligen Kreissparkasse Schweinfurt unter die Arme. Das Geldinstitut um den Vorstandsvorsitzenden Johannes Rieger unterstützte das Buchprojekt finanziell.


Einen Rüffel holte sich Gastgeberin Ludwig bei der Buchpräsentation von Landrat Harald Leitherer ab. Denn das Schloss ist für maximal noch 60 Personen zugelassen, um die 100 aber nahmen die Einladung an. "Aus sicherheitstechnischen Gründen dürfte diese Veranstaltung eigentlich gar nicht stattfinden", schimpfte Leitherer und schlug damit gleich ein wichtiges Kapitel an. Denn das neue Buch soll auch dazu helfen, das "in Bayern absolut herausragende Schloss" (Leitherer) zu erhalten. Das Vorschloss wird kaum noch zu retten sein, ist extrem einsturzgefährdet. Für die Erhaltung müsste der Denkmalschutz eine ordentliche Summe investieren. Alleine an Erkundungskosten ist ein sechsstelliger Betrag nötig. Unterirdische, im Krieg angelegte Gänge sorgen für die Gefahr. Doch das "einmalige Bauwerk und Wahrzeichen für den Landkreis", so der Landrat, müsse unbedingt für die nächsten Generationen erhalten werden.

"Akribische Recherche für wissenschaftliche Erkenntnisse", habe Dr. Thomas Horling betrieben, sich zum "Sprachrohr der Wende und Räume gemacht", lobte Schonungens 2. Bürgermeister Martin Oßwald den Historiker, Initiator und Herausgeber, den Harald Leitherer den "Motor für das Buch" nannte. Bei einer kleinen Feier wurde schließlich angestoßen - natürlich mit Mainberger Wein.


Wussten Sie eigentlich, dass Sie die Bayern-online News auch als kostenlosen Newsletter in Ihre Mailbox oder als kostenlosen fortlaufenden Bayernfeed für Ihren Webfeedreader abonnieren können? Darüber hinaus finden Sie uns auf Facebook und Twitter. Probieren Sie es doch einfach einmal aus, denn abbestellen können Sie das kostenlose Abonnement jederzeit! Wir informieren Sie regelmäßig über bayerische News und geben praktische Tipps und Infos rund um Bayern und Ihre Region.